Rothenburg ob der Tauber wurde in den Ruin getrieben, was zu seiner Schönheit führte. Nach dem Dreißigjährigen Krieg und einer Pestepidemie, die die Bevölkerung halbierte, konnte sich die freie Reichsstadt den Wiederaufbau, die Erweiterung oder die Modernisierung nicht mehr leisten. Sie blieb einfach stehen. Der mittelalterliche Straßenplan, der vollständige Rundgang der Stadtmauern, die Stadttore und die Kaufmannshäuser in der Herrngasse blieben erhalten, weil niemand das Geld hatte, sie zu ersetzen.
Die Stadt liegt oberhalb des Taubertals am Schnittpunkt zweier alter Handelsstraßen, und genau diese Lage brachte sie später auf die Romantische Straße, die touristische Route, die 1950 entworfen wurde, um Würzburg mit Füssen zu verbinden. Eine Tagestour auf der Romantischen Straße ab München folgt in etwa dem gleichen Korridor. Die Stadtrechte von Rothenburg datieren auf das Jahr 1274; das Rathaus kombiniert einen gotischen Turm aus dem Jahr 1250 mit einer Renaissance-Fassade, die nach dem Brand von 1501 hinzugefügt wurde, und beide Hälften weigern sich bis heute, sich aufeinander abzustimmen.
Die Jakobskirche beherbergt den Heilig-Blut-Altar von Tilman Riemenschneider, der zwischen 1501 und 1504 aus Lindenholz geschnitzt und unbemalt gelassen wurde – eine bewusste Entscheidung, die Maserung und Schatten die Modellierung überließ. Darunter bilden das Plönlein, der Siebersturm und das Kobolzeller Tor jenen Winkel des Straßenbildes, der auf mehr Postkarten abgebildet ist als jeder andere Ort in Franken.
Ein Großteil dessen, was die Besucher sehen, wurde wieder aufgebaut. Am 31. März 1945 zerstörten alliierte Bombenangriffe etwa vierzig Prozent der Altstadt, einschließlich eines langen Abschnitts der östlichen Mauer. Der Wiederaufbau dauerte Jahrzehnte und wurde teilweise von Spendern aus der ganzen Welt finanziert, deren Namen in die Steine des Wehrgangs eingraviert sind – ein ungewöhnlich wortwörtliches Zeugnis dafür, wer für die Wiederherstellung der Vergangenheit bezahlte. Der freie Eintritt in die Stadt bedeutet, dass die Mauern, der Marktplatz und die Gassen nichts kosten; einzelne Museen und Türme verlangen Eintrittsgelder.
Diese Mischung aus Authentizität und sorgfältiger Restaurierung ist der Grund, warum Rothenburg den Kern der meisten Tagestouren auf der Romantischen Straße ab München bildet und warum die fränkischen mittelalterlichen Städte neben Touristen auch Wissenschaftler anziehen. Reiseveranstalter kombinieren die Stadt in separaten Routen mit Neuschwanstein und Linderhof, sodass eine Tagestour auf der Romantischen Straße ab München die Option für Reisende bleibt, die die ummauerte Stadt und nicht die Schlösser besuchen möchten.